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Mein Kind tut sich schwer beim Schreiben: Wann Ergotherapie hilft

Langsam, verkrampft, schnell frustriert? Woran Eltern Schwierigkeiten beim Schreiben erkennen, welche Ursachen dahinterstecken können und wie pädiatrische Ergotherapie bei CaraVita in Saarbrücken unterstützt.

„Er schreibt so langsam.” „Sie verkrampft beim Schreiben.” „Die Buchstaben sehen jedes Mal anders aus.” Oder auch: „Sobald es ans Schreiben geht, wird er wütend.”

Solche Sätze hören wir in der pädiatrischen Ergotherapie oft, besonders in den ersten Monaten nach dem Schulstart. Viele Eltern fragen sich dann: Ist das noch normal, oder braucht mein Kind Unterstützung? Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Aber es gibt Anzeichen, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

Schreiben ist mehr als Feinmotorik

Wer schreibt, muss erstaunlich viel gleichzeitig können. Ein Kind muss Buchstabenformen erkennen und aus dem Gedächtnis abrufen, die Schreibbewegung planen und steuern und dabei das, was es sieht, mit der Bewegung der Hand verbinden. Aufmerksamkeit und Wahrnehmung spielen ebenfalls mit hinein.¹

Deshalb steckt hinter einer krakeligen Schrift nicht automatisch eine „schlechte Feinmotorik” oder eine falsche Stifthaltung. Mögliche Einflüsse sind zum Beispiel:

  • Feinmotorik, also die geschickte Steuerung von Fingern und Hand
  • Visuomotorische Integration, das Zusammenspiel von Sehen und Bewegen: Das Gehirn übersetzt, was das Auge wahrnimmt, in eine genaue Bewegung
  • Bewegungsplanung, also das Vorausplanen von Abläufen
  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Wissen über Buchstaben und ihre richtige Form
  • Sitz- und Arbeitshaltung am Tisch

Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, und bei jedem Kind sieht die Mischung anders aus. Übrigens: Manche Kinder basteln, fädeln Perlen oder spielen mit Murmeln sehr geschickt und tun sich trotzdem beim Schreiben schwer. Das eine schließt das andere nicht aus.

Woran Eltern Schwierigkeiten erkennen können

Oft zeigen sich erste Hinweise schon im Kindergarten: Das Kind malt ungern, hält den Stift verkrampft oder kann ihn noch nicht zielgerichtet einsetzen. Gerade das letzte Kindergartenjahr ist eine gute Zeit, um genauer hinzusehen, weil in dieser Phase die Vorläuferfähigkeiten fürs Schreiben wachsen sollten.²

Nach dem Schulstart fallen dann häufig solche Dinge auf:

  • Buchstaben werden oft verdreht oder falsch geschrieben
  • Die Buchstaben sind sehr unterschiedlich groß
  • Die Abstände zwischen Buchstaben oder Wörtern sind auffällig groß oder eng
  • Das Kind schreibt sehr langsam und kommt im Unterricht nicht hinterher
  • Je länger es schreibt, desto unleserlicher wird die Schrift
  • Es drückt sehr stark oder sehr schwach mit dem Stift auf
  • Es ermüdet schnell oder klagt über Schmerzen in der Hand
  • Schreibaufgaben werden vermieden oder lösen schnell Frust aus

Ein Punkt wird häufig übersehen: Wenn das Schreiben selbst so viel Konzentration verlangt, bleibt für den Inhalt kaum noch Kopf frei. Ein Kind kann also gedanklich völlig fit sein und trotzdem schlechtere Leistungen zeigen, einfach weil der Stift bremst. Auf Dauer kann das am Selbstvertrauen nagen und die Lust auf alles verderben, was mit Schreiben zu tun hat.¹

Wann eine genauere Untersuchung sinnvoll ist

Nicht jede unordentliche Schrift ist ein Grund zur Sorge. Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Sprechen Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt aber an, wenn zum Beispiel:

  • Ihr Kind beim Schreiben Schmerzen hat oder mit sehr viel Druck schreibt
  • es beim Schreiben schnell müde wird
  • die Schreibhand auffällig wenig beweglich wirkt
  • die Schwierigkeiten über längere Zeit bestehen und nicht von selbst besser werden
  • die Fähigkeiten deutlich hinter dem zurückbleiben, was Ihr Kind sonst kann
  • der Schulalltag spürbar darunter leidet
  • Ihr Kind sehr frustriert ist und Schreibaufgaben aus dem Weg geht

Auch Rückmeldungen aus Kita oder Schule sind wertvoll. Erzieherinnen und Lehrkräfte sehen Ihr Kind in vielen Schreibsituationen und können gut einschätzen, ob etwas auffällt.

Was in der Ergotherapie passiert

Zu Beginn schauen wir uns genau an, wie Ihr Kind schreibt, und nicht nur, was am Ende auf dem Papier steht. Dazu gehören:

  • die Sitzhaltung und die Lage des Papiers
  • wie viel Kraft Ihr Kind einsetzt
  • die Bewegungen von Fingern, Handgelenk, Unterarm, Oberarm und Schulter
  • das Schriftbild und wie es sich bei längeren Schreibaufgaben verändert

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich, wo genau die Schwierigkeiten liegen. Daran setzt die Therapie gezielt an.

Geübt wird nah am echten Schreiben. Wir arbeiten mit wissenschaftlich erprobten Programmen zur Förderung der Schreibmotorik. Bewährt haben sich unter anderem feinmotorisches Training, körperliche Aktivität und direkte Rückmeldungen.³ Wichtig ist dabei der Bezug zum Schreiben selbst: Studien zeigen, dass ein reines Fingertraining ohne Schreibaufgaben weniger bringt.³ Bewegungsabläufe werden deshalb wiederholt geübt, vorgemacht, bei Bedarf mitgeführt, mit Worten begleitet und mit konkretem Feedback verbunden.

Spielerisch statt Nachhilfe. Damit aus Schreibschwierigkeiten kein Schulfrust wird, gehen wir die Therapie immer spielerisch und mit viel Bewegung an. Wir nutzen bewusst die Stärken und Interessen Ihres Kindes. Wer Dinos liebt, schreibt eben Dino-Namen. So bleibt die Motivation erhalten, und wir finden leichter einen Zugang zum Kind.

Das ganze Kind im Blick. Ergotherapie fragt immer: Was braucht Ihr Kind, um im Alltag gut zurechtzukommen? Bei Kindern heißt das vor allem Spielen, Freundschaften, Kindergarten und Schule. Deshalb berücksichtigen wir alle Lebensbereiche und nicht nur das Schreibheft.

Und die Stifthaltung?

Viele Eltern haben noch gelernt: Der Stift wird mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger gehalten, und nur so ist es richtig. Heute sieht man das gelassener. Studien zeigen keinen eindeutigen Vorteil dieses sogenannten Dreipunktgriffs, was Schreibtempo und Lesbarkeit angeht.⁴ Viele verschiedene Stifthaltungen können gut funktionieren.

Entscheidend ist deshalb nicht, wie Ihr Kind den Stift hält, sondern ob es damit gut zurechtkommt. Die Ziele sind:

  • Ihr Kind kommt beim Schreiben im Unterricht mit,
  • es hat dabei keine Schmerzen,
  • und die Schrift ist für andere gut lesbar.

Eine Stifthaltung sollte vor allem dann genauer angeschaut werden, wenn sie mit langsamem Schreiben, viel Kraftaufwand, schneller Ermüdung, Schmerzen oder schlechter Lesbarkeit einhergeht.

Kleine Hilfen für zu Hause

Ein paar Dinge können Sie im Alltag einfach ausprobieren:

  • Verschiedene Stifte testen: Vor allem am Anfang sind dicke Stifte wie Wachsmalstifte oder Kreide oft leichter zu halten als dünne.
  • Greifhilfen und Stiftverdickungen: Sie können vorübergehend helfen, eine entspanntere Haltung zu finden. Welche passt, besprechen Sie am besten mit der Therapeutin.
  • Unterschiedliche Unterlagen: Wer zu fest aufdrückt, profitiert manchmal von Unterlagen, die beim Schreiben ein anderes Gefühl zurückgeben, etwa etwas weichere oder rauere.
  • Den Arbeitsplatz variieren: Nicht jede Malaufgabe muss am Tisch stattfinden. Auch im Stehen, auf einem Gymnastikball oder bäuchlings auf dem Boden lässt sich prima malen und schreiben.

Und ganz wichtig: Loben Sie die Mühe, nicht nur das Ergebnis.

So kommen Sie mit Ihrem Kind zur Ergotherapie

  1. Ärztliche Einschätzung: Meist stellt die Kinderärztin oder der Kinderarzt den Therapiebedarf fest, etwa bei einer U-Untersuchung oder nach Hinweisen aus Kita oder Schule. Grundsätzlich darf jede niedergelassene Ärztin und jeder niedergelassene Arzt eine Verordnung für Ergotherapie ausstellen.
  2. Termin anfragen: Melden Sie sich bei uns am Standort Ostspange. Die Verordnung muss innerhalb von 28 Tagen nach Ausstellung begonnen werden, sonst verfällt sie. Es lohnt sich daher, den Ersttermin früh anzufragen und das Rezept ausstellen zu lassen, wenn der Termin näher rückt.
  3. Aufnahmegespräch mit den Eltern: Zuerst sprechen wir in Ruhe mit Ihnen allein: über die Schwierigkeiten Ihres Kindes, seine bisherige Entwicklung und darüber, wo wir therapeutisch am besten ansetzen, zum Beispiel über seine Stärken und Interessen. Ihr Kind ist bei diesem Termin bewusst nicht dabei. Vielen Kindern ist es unangenehm, wenn so ausführlich über ihre Schwierigkeiten gesprochen wird.
  4. Kennenlernen: Kurz danach folgt die erste Therapieeinheit. Dort lernen wir Ihr Kind spielerisch kennen, meist sind Sie als Eltern noch mit dabei. Erst wenn Ihr Kind Vertrauen gefasst hat, macht es auch motiviert mit, und darauf baut die weitere Therapie auf.
  5. Therapie: Eine Therapieeinheit dauert je nach Verordnung 45 bis 60 Minuten.

Für gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fällt keine Zuzahlung an.

Eine ehrliche Anmerkung zum Schluss: Eine Stunde Ergotherapie pro Woche allein reicht meist nicht. Fortschritte entstehen dann, wenn Ihr Kind mitmacht und Sie als Eltern zu Hause mitziehen. Wir zeigen Ihnen gerne, wie das im Alltag ohne zusätzlichen Druck gelingt.


Pädiatrische Ergotherapie bei CaraVita

Kinder-Ergotherapie bieten wir an unserem Standort Ostspange in Saarbrücken an (Zur Ostspange 8, 66121 Saarbrücken). Neben Schreibschwierigkeiten begleiten wir dort unter anderem Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, ADHS, Autismus sowie Schwierigkeiten in der visuellen oder auditiven Wahrnehmung.

Sie haben Fragen oder möchten einen Termin vereinbaren? Rufen Sie uns an unter 0681 / 210 75 650 oder buchen Sie online.

→ Mehr zur pädiatrischen Ergotherapie

→ Standort Ostspange: Anfahrt und Öffnungszeiten


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Ob eine Therapie sinnvoll ist, klären Sie bitte mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

Quellen

  1. Bonneton-Botté, N., Miramand, L., Bailly, R. & Pons, C. (2023). Teaching and Rehabilitation of Handwriting for Children in the Digital Age: Issues and Challenges. Children, 10, 1096. https://doi.org/10.3390/children10071096
  2. Van Hartingsveldt, M. J., De Groot, I. J. M., Aarts, P. B. M. & Nijhuis-van der Sanden, M. W. G. (2011). Standardized tests of handwriting readiness: a systematic review of the literature. Developmental Medicine & Child Neurology, 53, 506–515. https://doi.org/10.1111/j.1469-8749.2010.03895.x
  3. Lelong, M., Zysset, A., Nievergelt, M. et al. (2021). How effective is fine motor training in children with ADHD? A scoping review. BMC Pediatrics, 21, 490. https://doi.org/10.1186/s12887-021-02916-5
  4. Schwellnus, H., Carnahan, H., Kushki, A., Polatajko, H., Missiuna, C. & Chau, T. (2012). Effect of Pencil Grasp on the Speed and Legibility of Handwriting in Children. American Journal of Occupational Therapy, 66(6), 718–726. https://doi.org/10.5014/ajot.2012.004515